„Du bist ein/e Meister/in die/der übt!“ Ähnlich wie beim Spielen eines Musikinstrumentes ist die Qualität meiner tänzerischen Fähigkeiten abhängig von meinem Praktizieren, meinem Üben.
Dafür gibt es im Tango zwei Möglichkeiten im öffentlichen Raum: Die erste Möglichkeit für die Praxis ist die sogenannte „Practica“. Diese werden unterschiedlich gestaltet. An manchen Orten sind sie thematisch (ähnlich wie ein Workshop) aufgebaut, an anderen Orten geht es darum als Tanzpaar gemeinsam den Raum zum „Üben mit Unterstützung“ zu nutzen. Ich kann hier die/den anwesenden Trainer/in nach einer Analyse und Optimierung befragen und mich mit anderen mit meinen Tanzideen ausprobieren. Der Fokus liegt  in der bewussten Selbstwahrnehmung von Körper, Geist, Raum und   Rhytmus, als in der Verschmelzung mit dem Gegenüber und der Musik. Der verbale Austausch über die jeweilige Wahrnehmung des Tanzes ist gewollt!

Die zweite Möglichkeit ist die sogenannte „Milonga“ oder der „Tango Salon“. Das ist die Tanzveranstaltung, die in der Regel öffentlich ausgeschrieben ist und in unterschiedlichen Formen stattfindet. Da gibt es die eher „traditionelle“ Milonga mit klar strukturierten Musikblöcken und Orchestern (tandas), es herrschen Codizes zum Auffordern,  Kleidung und Sitzplätzen. Dann gibt es die „offeneren“ Milongas mit größtenteils neuerer Tango-Musik oder Non-Tangos und weniger „festen Regeln“. Oder in den Sommermonaten die „Open-Air-Milongas“, die häufig eine Mischung  zwischen allem sind. Für jede Milonga gilt: wir als Paar halten die Tanzrichtung und „ronda“ (der Kreis der sich durch die hintereinander tanzenden Paare ergibt) ein und es wird auf der Tanzfläche nicht „doziert“. Wozu auch? Wenn ich gut führe, muss ich meiner Partnerin die Schritte nicht „erklären“. Wenn ich sensibel folge, bekomme ich alle nötigen Informationen mit. Natürlich haben wir manchmal den Wunsch, dass unser  Gegenüber das „irgendwie anders“ machen soll … . Dann wird es Zeit, Tango zu tanzen! Lass Dein Ego fallen und gib Dich hin. Das gilt für beide Rollen.